DOCUMENTA KASSEL 16/06-23/09 2007



Moghul-indische Albumblätter







Miniaturmalereien sind als Buchkunst zu sehen, sie illustrieren die Chroniken des Hofes, Geschichtswerke, Legenden, die Abenteuer namhafter Personen. Auch landschaftliche Aspekte wurden darin dargestellt. Die Malereien sind ein anschaulicher Ausdruck für die Migration von Formen aus unterschiedlichen Bildtraditionen. Mit der mongolischen Eroberung des Irans ab der Mitte des 13. Jahrhunderts wanderten neue Kunstformen in die islamische Malerei; Motive wie Wolken und Berge tauchen in den persischen Miniaturen auf und verweisen auf die chinesische Tradition. Tabriz, die alte Hauptstadt Irans aus mongolischer und früher safawidischer Zeit etablierte sich als weltoffene Umgebung. Die Moghuln waren die Eroberer Indiens im 16. Jahrhundert.

Die moghul-indischen Miniaturen verdeutlichen, dass der Blick weg von einer nationalen Kunstgeschichte auf den Austausch von visuellen Sprachen zu lenken ist und wie daraus neue Bilder entstehen. Das können wir von ihnen lernen, das macht sie so aktuell.

Die moghul-indischen Albumblätter mit typisch ornamentaler Rahmung aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zeigen die Kulturfreiheit an den Mogulhöfen, im kulturellen Leben und in der künstlerischen Praxis. So tauchen etwa indische Elemente im persischen Malstil auf.

Der Tanz beim Holi-Fest am Mogulhof von Mihr Chand stammt aus einem Moghulalbum aus der zweiten Hälfte 18. Jahrhunderts und zeigt die muslimische Herrscherfamilie bei Tänzen der hinduistischen Bevölkerung. In der Miniatur Ein junger Sufi-Mystiker liest seinem spirituellen Meister vor (Ende 17. Jahrhundert, Mogulschule) befinden sich die beiden anachronistischen Personen in einer charaktervollen Landschaft. Die Felsendarstellungen veranschaulichen aber auch den chinesischen Einfluss in diesen Malereien. Der Held Zal ruft den Vogel Simurgh entstand um 1700. Der sagenumwobene Vogel ist in seiner Darstellung chinesischen Vorbildern entnommen.

Die kalligrafischen Zierblätter mit arabischem Text stammen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Mehrere Werke des bekannten persischen Kalligrafen Haddschi Maqsud, der lange in Tabriz arbeitete, sind aus der Blütezeit der höfischen safawidischen Kunst erhalten. Er ging aus der alten persischen Stadt nach Moghul-Indien. Meisterhaft verwob er drei verschiedene Schreibstile.