DOCUMENTA KASSEL 16/06-23/09 2007



Jo Spence

Remodelling Photo History
Fotografie 1982


© Foto: Jo Spence + Terry Dennett

*1934 in London (UK), 1992 in London (UK)
Im Werk der Fotografin Jo Spence finden sich sowohl politische und aufklärerische Ansätze als auch Inszenierungen. Sie beschäftigte sich intensiv mit der Frage nach der Konstruktion sozialer Identitäten und den Möglichkeiten der Wiederaneignung von Bildern. Spence, die an Krebs starb, machte die Fotografie zu einem Mittel der Rebellion und Therapie, mit dem sie mutig gegen die Pathologien zu Felde zog, die durch die in der Kultur vorherrschenden Bilder reproduziert werden.

Remodelling Photo History lässt die täglichen, normalisierten und institutionalisierten Praktiken und Codes seltsam erscheinen. Die Gemeinschaftsarbeit von Jo Spence und Terry Dennett befragt die historischen und zeitgenössischen Genres der Fotografie sowie die Weise, wie darin der weibliche Körper dargestellt wird. Die Fotoserie ist in visuelle Kapitel wie Industrialization, Colonization, Regulation, Victimization, Realization und Revisualization gegliedert. Fotografische Genres sowie deren Anwendungsgebiete werden bloßgestellt.

Die Gruppe von Arbeiten mit dem Titel The Picture of Health entstand zwischen 1982 und 1986 in Zusammenarbeit mit den FotografInnen Rosy Martin, Maggie Murray und Terry Dennett. Spence thematisiert darin ganz offensiv ihre Brustkrebserkrankung. Sie kritisiert den gesellschaftlichen Umgang mit Krankheit und rückt das eigene Selbst in das Zentrum, womit sie gegen das Minenfeld des Schweigens und gegen die Entmachtung des kranken Individuums aufbegehrt. Kaum etwas anderes wirft uns so auf unser bloßes Leben zurück wie eine Krankheit.