DOCUMENTA KASSEL 16/06-23/09 2007

Film spricht viele Sprachen/Dogfar nai mae marn (Mysterious Object at Noon)

31. August, 20:30 Uhr, Gloria Kino

© Fotoarchiv Österreichisches Filmmuseum, Wien
Das erste abendfüllende Werk eines faszinierenden Kinodichters. Apichatpong Weerasethakuls Film beginnt wie Cinéma vérité, aber das täuscht: In der Manier des „Stille Post-Spiels“ wandert er von Bangkok aus südwärts und weicht bald einem unvergleichlichen, unvorhersehbaren, aus dem kollektiven Unbewussten aufsteigenden Fakt-Fiktion-Fantasie-Bastard.

Der Regisseur hat unterwegs eine Geschichte gehört, die er bei seinen folgenden Begegnungen von anderen Menschen nach Belieben weiterspinnen lässt. Dogfar nai mae marn heißt übersetzt etwa Himmlische Blume in Teufelshand; der Name der Blume, Dogfar, ist auch der Name der Frau, die in der Geschichte-im-Film als Lehrerin eines querschnittsgelähmten Jungen auftritt. Der Titel erinnert an archetypische Thai-Melodramen, aber in den Händen Weerasethakuls, des einfallsreichsten Neudeuters der Nationaltradition, wird daraus viel mehr: etwa eine Musical-Darbietung, die zum Schul-Spiel, zum Zeichensprache-Dialog mutiert.

Zum Auftakt: Farben und Fetzen eines indischen Films, von Gustav Deutsch gefunden auf den Straßen von Casablanca. Minutengedicht, Untertitellyrik, ein Sprachspiel anderer Art.


Film spricht viele Sprachen
Gustav Deutsch, 1995, 35mm, Farbe, Keine Dialoge
Dogfar nai mae marn / Mysterious Object at Noon
Apichatpong Weerasethakul, 2000, Video, s/w, Thailändisch, Englische Untertitel